Berufsaussichten für Juristen

Inhaltsverzeichnis:

I. Der Istzustand der Juristen
II. Die Entwicklung der Studentenzahlen
III. Die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt
IV. Berufschancen für Juristen in ausgewählten Berufen
V. Weiterbildungsmöglichkeiten für Juristen

I. Der Istzustand der Juristen

Zur Zeit sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland ca. 190.000 Juristen berufstätig. Diese 190.000 Juristen sind vor allem in den folgenden Aufgabenfeldern tätig:

1) Öffentliche Verwaltung
35.000 Juristen sind beim Bund, den Ländern oder Gemeinden in der Verwaltung tätig. Während sich die Nachfrage nach Verwaltungsjuristen im Zuge der Wiedervereinigung zunächst erhöht hatte, beziehen sich heute nur noch 11 % der Stellenangebote auf diesen Sektor. Erschwerend kommt hinzu, daß Juristen im öffentlichen Sektor zunehmend mit Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern um die ausgeschriebenen Positionen konkurrieren.

2) Rechtspflege
Zur Zeit sind ca. 21.000 Richter (Frauenanteil: 26 %) sowie ca. 5.000 Staatsanwälte (Frauenanteil: 28 %) tätig. Auch hier ist die positive Wirkung der deutschen Wiedervereinigung längst verflogen: Trotz der leicht steigenden Zahl der anhängigen Gerichtsverfahren ist die Zahl der Richter in den vergangenen Jahren um 6 % zurückgegangen.

3) Freie Wirtschaft
Ca. 25.000 Juristen arbeiten in den vielfältigsten Funktionen in der freien Wirtschaft, z.B. in Unternehmen oder Verbänden. Auch hier konkurrieren Juristen in zunehmendem Maße mit Betriebs- oder Volkswirten, Diplomkaufleuten, Wirtschaftsinformatikern etc. um die ausgeschriebenen Positionen.

4) Rechtsanwälte
a) Die Gesamtzahl der Rechtsanwälte
106.000 Juristen sind in Deutschland als Rechtsanwälte zugelassen (Frauenanteil: 24 %). Daraus folgt, daß auf 773 Einwohner ein Rechtsanwalt kommt. Die Zahl der zugelassenen Anwälte ist in den letzten 10 Jahren um 70 % angestiegen ist, so daß der Anteil der Anwälte am gesamten Juristenmarkt mittlerweile bei ca. 60 % liegt.
Dies gilt auch für die neuen Bundesländer: Während 1994 nur 5.000 Anwälte zugelassen waren, sind es jetzt bereits über 11.000 Anwälte.

Mitglieder der RA- Kammern 1999:

RAK Rechts-
anwälte
darunter
Anwaltsnotare Fachanwälte
 

ges.

 

weib.

 

ges.

 

weib.

SteuerR VerwR FamR ArbR SozR
ges. weib. ges. weib. ges. weib. ges. weib. ges. weib.
BGH 28 4 - - - - - - - - - - - -
Bamberg 1856 398 - - 45 2 14 - 64 27 49 14 3 -
Berlin 6628 1723 1112 143 129 6 30 4 48 35 115 21 21 16
Branden-
burg
1598 446 - - 8 1 2 - 12 7 29 8 3 -
Braun-
schweig
1190 274 362 35 44 2 6 1 34 21 50 11 9 2
Bremen 1287 304 358 34 43 - 19 1 27 15 59 5 12 4
Celle 3904 933 1100 104 132 7 45 3 138 73 159 20 21 4
Düssel-
dorf
6722 1443 236 18 234 14 36 3 121 50 192 21 28 2
Frankfurt 9749 2413 1403 115 340 26 43 4 148 72 284 46 35 13
Freiburg 2403 570 - - 88 4 18 1 69 24 60 6 13 2
Hamburg 5355 1272 - - 140 10 22 - 55 30 119 19 28 3
Hamm 9352 1973 2345 130 410 23 125 10 291 139 494 46 81 20
Karlsruhe 3029 663 - - 109 8 16 - 52 29 76 10 8 3
Kassel 1186 257 304 18 19 2 13 2 55 24 60 6 8 1
Koblenz 2155 489 - - 88 7 28 2 78 27 81 7 19 7
Köln 7605 1781 - - 202 13 56 1 126 57 187 26 43 10
Meckl.-
Vorp.
1221 299 - - 11 - 6 1 28 12 20 4 1 -
München 11166 2777 - - 315 23 63 9 333 112 200 38 18 3
Nürnberg 2781 703 - - 77 7 17 1 120 58 67 11 12 3
Oldenburg 1872 429 621 54 44 3 25 1 74 35 111 10 16 3
Saar-
brücken
985 213 - - 22 1 5 - 31 11 36 7 6 1
Sachsen 3272 978 - - 26 1 15 2 19 14 55 17 2 -
Sachsen-
Anh.
1458 441 - - 14 2 5 - 21 15 27 8 - -
Schleswig 2600 572 999 83 52 5 36 4 85 36 102 15 19 8
Stuttgart 4370 920 75 2 90 2 30 5 105 54 105 17 12 3
Thüringen 1491 384 - - 22 1 4 1 6 4 27 5 - -
Tübingen 1414 275 16 - 34 1 17 - 55 28 44 3 8 1
Zwei-
brücken
1114 205 - - 31 1 10 - 43 19 35 1 6 1
Bundes-
gebiet
97791 23139 8930 736 2769 172 706 56 2238 1028 2843 402 432 110
Vorjahr 91516 20497 9046 728 2674 151 643 47 1160 554 2487 331 409 86
Verän-
derung 
in %
6,86 12,89 -1,28 1,10 3,55 3,91 9,80 19,15 92,93 85,56 14,31 21,45 5,62 27,91

b) Einzelanwalt oder Großkanzlei?
Von den 106.000 Rechtsanwälten arbeiten die meisten Anwälte allein: 56.000 Rechtsanwälte betreiben eine Einzelkanzlei. 33.500 Rechtsanwälte arbeiten in Kanzleien mit 2 – 3 Rechtsanwälten, ca. 12.000 Anwälte in Kanzleien mit 4 – 20 Rechtsanwälten und nur 4.500 Anwälte in Großkanzleien mit 20 – 350 Rechtsanwälten.

c) Generalist oder Spezialist?
Von den über 100.000 in Deutschland zugelassenen Rechtsanwälten waren 1999 nur knapp 10 % Fachanwalt, hatten sich also auf ein bestimmtes Rechtsgebiet spezialisiert. Von den 10.000 Fachanwälten waren jeweils ca. 3000 Fachanwalt für Steuerrecht bzw. Arbeitsrecht, ca. 2.300 Fachanwalt für Familienrecht, ca. 700 Fachanwalt für Verwaltungsrecht sowie jeweils ca. 500 Fachanwalt für Sozialrecht bzw. Strafrecht.

II. Die Entwicklung der Studentenzahlen

1) Die Zahl der Jurastudenten
a) Das Jurastudium erfreut sich trotz der tristen Berufsaussichten noch großer Beliebtheit: Während 1986 – 1990 die Zahl der Jurastudenten sogar leicht rückläufig war, stieg sie in den Jahren 1991 – 1996 von 83.000 auf 110.000 Studenten an, um seitdem auf diesem hohen Niveau zu verharren. Ende 1999 betrug die Zahl der eingeschriebenen Jurastudenten 110. 388.

b) Der Frauenanteil hat sich deutlich erhöht: Anfang der 1990`er Jahre lag er bei 46 %. Mittlerweile hat er sich auf 52 % erhöht, so daß zur Zeit mehr Frauen als Männer Jura studieren.

2) Die Zahl der Studienbeginner
Anders verläuft die Entwicklung bei den Studienanfängern: Während von 1986 bis 1991 die Zahl der Erstsemester von knapp 10.000 auf 16.000 Studienbeginner stetig anstieg, geht diese Zahl seit Anfang der 1990`er Jahre leicht, aber kontinuierlich zurück, wobei zur Zeit jährlich ca. 15.000 Studenten das Jurastudium aufnehmen – allen Unkenrufen zum Trotz.

3) Die Zahl der Examenskandidaten im 1. Staatsexamen
Parallel zur Zahl der eingeschriebenen Studenten verläuft natürlich die Zahl der Prüfungen im 1. Staatsexamen: Während von 1988 – 1992 die Zahl der Prüfungen bei ca. 10.000 Prüfungen/Jahr lag, stieg diese Zahl seit 1993 von 12.700 auf knapp 18.000 Prüfungen/Jahr rasant an, wobei diese Zahl in den letzten 3 Jahren konstant hoch geblieben ist.

4) Die Zahl der Referendare
Zur Zeit gibt es in Deutschland ca. 23.000 Referendare. Da die Durchfallquote im 2. Staatsexamen bei "nur" 15 % liegt, beenden Jahr für Jahr über 10.000 Juristen (1999: 10. 397) ihre Ausbildung und drängen mit der Befähigung zum Richteramt auf den Arbeitsmarkt. Davon werden ca. 10 % in den öffentlichen Dienst übernommen. Ca. 20 % gehen in die Wirtschaft, so daß sich Jahr für Jahr ca. 6. 500 bis 7. 000 Juristen als Rechtsanwälte zulassen - viele von ihnen in Ermangelung einer anderen beruflichen Perspektive.

III. Die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt


1) Wie viele Bewerber kommen auf eine offene Stelle?
Man kann aber nicht unbedingt behaupten, daß die Berufsaussichten sich verschlechtert hätten, denn rosig waren sie nur für die kurze Zeitspanne der deutschen Wiedervereinigung: Während Ende der 1980`er Jahre 39 Bewerber auf eine für Juristen ausgeschriebene offene Stelle kamen, waren es Ende 1991 nur noch 7 Bewerber, so daß die Juristen als Berufsgruppe sicherlich am ehesten von der Wiedervereinigung profitiert haben.

Seitdem jedoch diese positiven Effekte abgeflaut sind, stieg die Zahl der Bewerber pro offene Stelle aber wieder deutlich an: 1994 konkurrierten 24 Bewerber um eine offene Stelle, 1999 waren es 21 Bewerber (8.900 Bewerber / 433 offene Stellen). Dies zeigt aber auch, daß sich zumindest statistisch gesehen die Lage auf dem Arbeitsmarkt in den letzten Jahren nicht verschlechtert hat. 

2) Die Anzahl der arbeitslosen Juristen insgesamt
Man erkennt dies auch an der Zahl der arbeitslos gemeldeten Juristen: Während sich die Zahl der arbeitslos gemeldeten Juristen von 1988 bis 1991 deutlich verringert hatte, stieg sie bis 1996 wieder an, sinkt aber seitdem wieder deutlich, 1999 um 9 %.

Euphorie ist dennoch verfrüht: Viele Juristen lassen sich lieber als Rechtsanwalt zu, statt sich arbeitslos zu melden – die Kanzlei ist dann notfalls das eigene Wohnzimmer.

3) Der Frauenanteil
Auffällig dabei ist der hohe Anteil von Frauen unter den arbeitslosen Juristen: Während ihr Anteil an den Juristen insgesamt nur 24 % beträgt, ist der Anteil der arbeitslosen Juristinnen 41 %!

4) Die Zahl der arbeitslosen Berufsanfänger
Erfreulich ist die statistische Entwicklung bei den arbeitslos gemeldeten Berufsanfängern: Während 1987 noch 26 % der Berufsanfänger zunächst als arbeitslos gemeldet war, sank der Anteil auf 16 % im Jahr 1993 und sogar bis auf 13 % im Jahre 1999.

5) Stellenangebote für Juristen
Wirft man einen Blick in den Stellenanzeigenteil deutscher Zeitungen, so bietet sich folgendes Bild: 1998 ist das Stellenangebot für Juristen um 11 % gegenüber dem Vorjahr angestiegen. 1999 ist das Angebot zwar nicht mehr gestiegen, doch befindet es sich mit 15.000 Stellen auf konstant hohem Niveau.

Der Stellenanteil des öffentlichen Sektors bei Bund, Ländern und Gemeinden geht jedoch zurück: Während er 1996 noch 13 % betrug, ist er auf 11 % gesunken. Konstant geblieben ist der Anteil der Hochschulen sowie der Privatwirtschaft, während der Anteil des Dienstleistungssektors leicht gestiegen ist.

Stellenangebote für Juristen nach Branchen 1999:

 

IV. Berufschancen für Juristen in ausgewählten Berufen

1) Rechtsanwälte
a) Der Anwaltsmarkt in Zahlen

aa) Von 10.000 Juristen, die Jahr für Jahr das 2. Staatsexamen bestehen, lassen sich ca. 70 % als Rechtsanwalt zu, oftmals sicherlich nicht aus Neigung, sondern wegen der fehlenden beruflichen Alternative. Jahr für Jahr drängen also ca. 7.000 neue Rechtsanwälte auf einen Markt, der bereits jetzt von vielen Anwälten als überfüllt angesehen wird.

bb) Dabei hat sich nicht nur die Zahl der Anwälte, sondern auch das Bild der Anwälte dramatisch verändert: Es reicht von vielen Wohnzimmerkanzleien mit einem Jahresumsatz von deutlich unter 100.000 DM bis zu transatlantischen Megakanzleien: Während mancher Einzelanwalt im eigenen Wohnzimmer seine Schriftsätze noch selbst tippt, arbeiten Megakanzleien (z.B. Clifford Chance Pünder) zum Teil mit über 2.700 Rechtsanwälten in über 40 Büros weltweit und erzielen einen Honorarumsatz von über 2 Milliarden Mark.

Die Entwicklung zur Fusionierung von Großkanzleien ist längst noch nicht abgeschlossen: Da die Märkte immer mehr zusammenwachsen und die Zahl der internationalen Fusionen immer größer wird, wächst auch der Bedarf nach einer Rechtsberatung, die über das nationale Recht hinausgeht. Größer werdende Unternehmen verlangen mehr und mehr größer werdende Kanzleien, die an vielen Orten präsent sind und innerhalb kurzer Zeit die nötige Personalstärke und Spezialisierung aufbringen, um komplexe Rechtsprobleme zu lösen. Hier wird also die personelle Quantität zum Qualitätsmerkmal: Nur durch die Personalstärke und die damit verbundene Spezialisierung sind diese Topkanzleien in der Lage, den betreuten Unternehmen einen Rundumservice zu bieten.

cc) Dennoch dürfen Sie bei Ihrer Berufswahl eines nicht übersehen: Selbst wenn Großkanzleien fusionieren und am Ende hunderte, manchmal sogar tausende von Anwälten weltweit beschäftigen, arbeiten in den 50 größten deutschen Kanzleien insgesamt nicht mehr als ca. 7000 Rechtsanwälte. Diese 7.000 Rechtsanwälte fallen zumindest zahlenmäßig bei über 100.000 zugelassenen Anwälten mit 7 % nicht sonderlich ins Gewicht, so daß nach wie vor die meisten Anwälte entweder allein oder in Sozietäten mit bis zu 5 Anwälten arbeiten.

dd) Auch bei der Neueinstellung von Berufsanfängern spielen die Großkanzleien trotz ihrer Größe und des ungebrochenen Nachwuchsbedarfs keine dominierende Rolle: Von den ca. 6. 500 bis 7.000 Juristen, die sich Jahr für Jahr als Anwalt zulassen, stellen die 20 größten Kanzleien insgesamt ca. 500 Anwälte pro Jahr, also nicht einmal 8 % eines jeden Jahrgangs, ein. Die restlichen gut 6.000 Berufsanfänger werden von kleineren Kanzleien beschäftigt oder machen sich selbständig.

b) Die Einkünfte deutscher Anwälte

aa) Das Durchschnittseinkommen von Einzelanwälten

Die riesige Bandbreite der deutschen Anwaltschaft zeigt sich auch bei den Einkommen, wobei Fachleute hier bereits von einer "Amerikanisierung" der Verhältnisse sprechen: Nach einer Studie des Nürnberger Institus für Freie Berufe aus dem Jahr 1998 erzielt jeder 2. selbständige Anwalt in den alten Bundesländern nur ein Einkommen von bis zu 45.000 DM (!). Im Durchschnitt verdient der Vollzeit- Einzelanwalt bei einem durchschnittlichen Jahresumsatz von 266.000 DM lediglich 107.000 DM vor Steuern und dies bei einer durchschnittlichen Arbeitsbelastung von immerhin 56 Stunden in der Woche. Geht man davon aus, daß Vollzeit- Anwälte 45 Wochen im Jahr arbeiten, so ergibt sich daraus eine Stundenzahl von 2520 Stunden / Jahr, so daß ein Durchschnitts- Einzelanwalt nur auf einen Stundenlohn von 42, 50 DM vor Steuern kommt.

bb) Das Durchschnittseinkommen von Partnern einer Sozietät

(1) Deutlich besser sieht es bei den Anwälten aus, die sich zu einer örtlichen oder überörtlichen Sozietät zusammengeschlossen haben: Hier erwirtschaftet jeder Partner im Schnitt bei einem auf ihn entfallenden Jahresumsatz von 346.000 einen Gewinn von 168.000 DM vor Steuern; in überörtlichen Sozietäten einen Jahresumsatz von 668.000 DM bei einem durchschnittlichen Jahresgewinn von 262.000 DM vor Steuern. Die Stars der Zunft, die Stundensätze von bis zu 1.500 DM verlangen und bekommen, verdienen natürlich ebenso wie die Seniorpartner großer Sozietäten ein Vielfaches. Dies wird nicht zuletzt daran liegen, daß sich in derartigen Sozietäten über 80 % aller Anwälte spezialisiert haben und die mit diesen Spezialkenntnissen betreuten Mandate einen ganz anderen Umsatz erzielen.

(2) Bei der Gewinnverteilung innerhalb der Partner stehen letztlich 3 Modelle zur Wahl, die allerdings bei vielen Kanzleien miteinander kombiniert werden:

(a) "Lockstep"- Verfahren: Hier erfolgt die Gewinnverteilung abhängig von der Dauer der Sozietätszugehörigkeit nach einem vorher festgelegten Punkte- Verfahren unabhängig vom persönlichen Umsatz. Der Partner erhält zu Anfang der Partnerschaft eine gewisse Punktzahl, die über einen zuvor festgelegten Zeitraum bis zu einer festgelegten Höchstgrenze ansteigt. So erhält in manchen Kanzleien ein "Juniorpartner" nur 30 % dessen, was die "Seniorpartner" bekommen; erst nach 12 Jahren wird er paritätisch beteiligt. Oftmals wird dieses lockstep- Verfahren mit zusätzlichen Leistungsanreizen für umsatzstarke Partner kombiniert.

(b) Erfolgsabhängige Vergütung: Unabhängig von der Dauer der Sozietätszugehörigkeit entscheidet der persönliche Beitrag, den der einzelne Partner zum erwirtschafteten Sozietätsgewinn beigetragen hat. Dies kann letztlich zu einer sozietätsinternen Jagd nach umsatzstarken Mandaten führen. Auch der Ausbau von spezialisierten Abteilungen, die nicht am 1. Tag bereits protitabel arbeiten können, wird erschwert.

(c)"Eat what you kill": Jeder Partner arbeitet quasi als Profit- Center auf eigene Rechnung, in dem er sämtliche auf ihn entfallenden Kosten trägt, aber auch den von ihm persönlich erwirtschafteten Gewinn in voller Höhe entnehmen darf.

cc) Das Anfangsgehalt von Berufsanfängern

(1) Das oben genannte Gehaltsgefälle zeigt sich aber nicht nur bei den bereits etablierten Anwälten, sondern auch bei den Berufseinsteigern: In kleineren Kanzleien sind oftmals Anfangsgehälter von unter 4.000 DM / Monat an der Tagesordnung; dies gilt gerade in Groß- und Universitätsstädten, in denen der Andrang der Bewerber entsprechend groß ist. Zu allem Überfluß werden Anwälte dort in der Regel als freie Mitarbeiter beschäftigt, so daß das Gehalt durch die zu zahlenden Abgaben weiter geschmälert wird. Trotz des schmalen Salärs wird regelmäßig eine 50 – Stunden – Woche erwartet.
(2) In Großkanzleien bewegen sich die Einstiegsgehälter zwischen 120.000 und 150.000 DM, wobei der Anwalt in der Regel angestellt wird. Nach weiteren 4 – 6 Jahren entscheidet sich, ob der Angestellte Partner der Sozietät und damit auch am unternehmerischen Erfolg der Kanzlei beteiligt wird, so daß diese "Beförderung" in aller Regel mit einer deutlichen Einkommensverbesserung verbunden ist (s.o.).

c) Das Anforderungsprofil eines Bewerbers in Großkanzleien

Bei den Großkanzleien sind aber nicht nur die Gehälter höher, sondern auch die Anforderungen an den Bewerber:

aa) Examensnoten: 2 Prädikatsexamina sollten es schon sein, wobei in manchen Fällen ein oberes befriedigend in einem Examen durch eine besondere Zusatzqualifikation wie eine Promotion, LLM oder besonders gute Sprachkenntnisse, sonstige Zusatzqualifikationen oder durch einen positiven Gesamteindruck während der Referendarstation ausgeglichen werden kann.

bb) Sprachkenntnisse: Verhandlungssicheres Englisch ist nahezu zweingende Einstellungsvoraussetzung.

cc) Auslandsaufenthalt: Ein langfristiger Auslandsaufenthalt zur Vertiefung der Sprachkenntnisse rangiert zwischen erwünscht und unerläßlich, wobei viele Kanzleien anbieten, daß ein Auslandsaufenthalt bei einer assoziierten ausländischen Kanzlei arrangiert werden kann.

dd) Promotion / LLM: Gleiches gilt für eine Promotion oder eine ausländische Qualifikation wie LLM: Zwingend sind derartige Qualifikationen nicht, aber ein einfacher Blick auf den Briefkopf einer Großkanzlei zeigt, daß dies mehr oder minder zum guten Ton gehört.

ee) Einstiegsalter: Beim Alter der Bewerber spielt für manche der von mir befragten Kanzleien das Alter des Bewerbers keine Rolle, doch soll eines sinnvolle Gestaltung des Studienverlaufs nachgewiesen werden. Andere Kanzleien hingegen gehen von einem Eintrittsalter von 28 – 30 Jahren aus und legen bei ca. 32 Jahren eine Höchstgrenze an, die nur mit guten Gründen überschritten werden kann.

Nähere Auskünfte finden Interessierte in den Briefwechseln, die ich zu diesem Zweck mit den deutschen Topkanzleien geführt habe. Siehe den entsprechenden Link auf unserer Homepage: "Karriere bei Topkanzleien".

d) Das Tätigkeitsspektrum in Großkanzleien

Da Wirtschaftsjuristen in Großkanzleien nicht nur forensisch, sondern vor allem beratend tätig werden, habe ich das Tätigkeitsprofil eines Wirtschaftsjuristen (unten 3 a)) im Rahmen der Unternehmensberatung dargestellt.

2) Richter / Staatsanwaltschaft
a) Die Ausgangslage
Zwar möchten viele junge Juristen heute im öffentlichen Dienst arbeiten, doch stellt der Staat nach dem Diktat der leeren Kassen immer weniger Juristen ein. Dies hat zur Folge, daß nur 4 % eines Juristenjahrgangs die Laufbahn eines Richers oder Staatsanwalts einschlagen. Voraussetzung für die Übernahme in den Richterdienst bzw. die Staatsanwaltschaft sind in aller Regel 2 Prädikatsexamina sowie überdurchschnitlich gute Stationszeugnisse bei der Bewertung des Referendars durch die Richter bzw. Staatsanwälte.

Trotz der strengen Notenauslese sind die Berufsaussichten des jungen Richters nicht allzu rosig: Zum einen wartet auf jeden jungen Richter ein Aktenberg von ca. 600 Neueingängen am Amtsgericht bzw. 100 Neueingängen am Landgericht. Zum anderen sind viele Richter beim Aufbau der Gerichtsbarkeit in den neuen Bundesländern im Zuge eines regelrechten Beförderungsschubs in hohe Positionen gelangt, in denen sie aufgrund ihres jungen Alters auch noch vergleichsweise lange bleiben werden.

b) Der formale Ablauf der Bewerbung verläuft wie folgt:

Der Assessor richtet sein Gesuch an den Präsidenten des OLG (Richterdienst) oder an den Generalstaatsanwalt (Staatsanwalt) bzw. an das jeweilige Landesjustizminsiterium (sonstige Tätigkeit). In dem ersten Gesuch sind lediglich die persönlichen Daten sowie die Examensergebnisse mitzuteilen; es empfiehlt sich jedoch, bereits dem 1. Gesuch einen kurzen Lebenslauf beizufügen (vergleichen Sie dazu das Merkblatt für die Einstellung im Anhang).

Die erforderlichen Examensnoten sind nicht starr festgelegt, sondern hängen nach dem Leistungsprinzip von Angebot und Nachfrage ab – wieviele Stellen sollen neu besetzt werden und wieviele Bewerber stehen zur Verfügung?

Kommt der Bewerber aufgrund seiner Examensnoten in Betracht, so wird er zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Diese Vorstellungsgespräche werden in den einzelnen Behörden sehr individuell gestaltet. Bewirbt sich z.B. der Kandidat um die Aufnahme in den Dienst des Staatsanwalts bei der Generalstaatsanwaltschaft, so muß der Bewerber bereits vor dem 1. Einstellungsgespräch den Personalfragebogen (siehe Anlage) einreichen, mit dem sich die Einstellungskommission bereits vor dem 1. Gespräch auseinandersetzt.

Wenn Sie nähere Auskünfte über Art und Umfang des Vorstellungsgesprächs sowie über die aktuell erforderlichen Examensnoten erhalten möchten, können Sie sich jederzeit – auch telefonisch – an den zuständigen Personalsachbearbeiter der jeweiligen Einstellungsbehörde wenden.

Wenn Ihr Bewerbungsgespräch positiv verlaufen ist, müssen Sie anschließend einen offiziellen Antrag stellen, in den Probedienst für das Amt des Richters oder des Staatsanwalts übernommen zu werden. Was Ihr Antrag enthalten muß, entnehmen Sie bitte dem Merkblatt aus dem Anhang.

Was werden Sie als Richter bzw Staatswalt verdienen?

Die Besoldungstabellen sind im Sartorius 230 abgedruckt. Weitere Hinweise finden Sie in den jeweiligen Landesbesoldungsgesetzen (für NRW: Hippel- Rehborn 45).

Für eine 1. Orientierung mag folgende Tabelle genügen:

Besol-
dungs-
gruppe
2-Jahres-
Rhythmus
3-Jahres-
Rhythmus
4-Jahres-
Rhythmus
  Stufe

  1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
A 1 2444,66 2507,43 2570,20 2632,97 2695,75 2758,52 2821,28          
A 2 2578,95 2641,24 2703,52 2765,81 2828,10 2890,40 2952,68          
A 3 2686,52 2752,80 2819,08 2885,35 2951,63 3017,91 3084,19          
A 4 2747,55 2825,59 2903,61 2981,64 3059,68 3137,70 3215,73          
A 5 2769,75 2869,65 2947,29 3024,91 3102,54 3180,17 3257,79 3335,42        
A 6 2835,32 2920,56 3005,80 3091,03 3176,27 3261,51 3346,85 3431,98 3517,22      
A 7 2959,94 3036,55 3143,80 3251,06 3358,30 3465,56 3572,80 3649,41 3726,02 3802,64    
A 8   3145,37 3237,01 3374,46 3511,90 3649,35 3786,80 3878,44 3970,07 4061,71 4153,33  
A 9   3351,14 3441,29 3587,97 3734,67 3881,36 4028,06 4128,90 4229,75 4330,59 4431,44  
A 10   3610,86 3736,16 3924,10 4112,05 4299,99 4487,93 4613,24 4738,53 4863,82 4989,12  
A 11     4162,37 4354,96 4547,53 4740,12 4932,70 5061,09 5189,48 5317,87 5446,27 5574,65
A 12     4476,44 4706,05 4935,65 5165,25 5394,87 5547,93 5701,00 5854,06 6007,14 6160,20
A 13     5038,62 5286,57 5534,50 5782,44 6030,38 6195,67 6360,96 6526,26 6691,55 6856,84
A 14     5244,04 5565,56 5887,07 6208,59 6530,10 6744,45 6958,80 7173,15 7387,49 7601,84
A 15           6827,44 7180,94 7463,74 7746,53 8029,33 8312,12 8594,92
A 16           7540,70 7949,53 8276,59 8603,67 8930,73 9257,80 9584,87
                         

Die R- Besoldung gilt für Richter und Staatsanwälte
Die B- Besoldung gilt für Ministerialbeamte
Die A- Besoldung gilt für Beamte wie z.B. Regierungsräte oder vergleichbare Positionen

Anhang: Personalbogen zum Vorstellungsgespräch des Landes NRW
(bitte klicken Sie hier, um diesen zu sehen)

Merkblatt für das Gesuch um Einstellung in den Probedienst Richter / StA
(bitte klicken Sie hier, um dieses zu sehen) 

3) Freie Wirtschaft
a) Unternehmensberatungen

aa) Das Tätigkeitsprofil eines Juristen in der Unternehmensberatung

Juristen beraten Unternehmen in allen wirtschaftsrechtlichen und steuerrechtlichen Fragen:

(1) Arbeitsrecht: Vertragsgestaltung, Vergütungsrichtlinien, Kündigungen, Betriebsschließungen, Verhandlungen mit Betriebsräten und Gewerkschaften (z.B. beim Aushandeln von Tarifverträgen und Sozialplänen oder der Einführung flexibler Arbeitszeiten), Optimierung von Betriebsorganisation und Managementstrukturen.

(2) Bank- und Börsenrecht: Steuerliche Strukturierung und Entwicklung von Finanzprodukten, Übernahmen, Finanzleasing, Projektfinanzierung, Strukturierung von Investment- und Immobilienfonds, Insolvenzrecht

(3) Baurecht: Bauleitplanung, Erschließungspläne, Planfeststellungsverfahren, Projektmanagement.

(4) Im Gesellschaftsrecht geht es u.a. um Fragen der Gründung oder Auflösung von Gesellschaften, der Unternehmensnachfolge, Fusionen oder Umwandlungen von Gesellschaften, Haftung von Führungskräften, Ausgabe und Übertragung von Wertpapieren.

(5) Grundstücksrecht: Kauf und Verkauf, Miete und Vermietung, Finanzierung, Projektentwicklung, Planung und Errichtung von Bauvorhaben und Industrieanlagen, Vertragsgestaltung und –abwicklung, offene und geschlossene Immobilienfonds, Altlasten.

(6) Handelsrecht: Vertriebs- und Lizenzverträge, Franchising, grenzüberschreitender Geschäftsverkehr, Zollrecht.

(7) Kartellrecht, Wettbewerbsrecht: Fusionskontrolle nach deutschem Kartellrecht und europäischem EG- Fusionskontrollrecht, Gesetze gegen unlauteren Wettbewerb und die damit verbundene Beratung und Prozeßführung

(8) Onlinerecht: Elektronische Medien, Transaktionen im Internet, Cyberlaw

(9) Patentrecht, Markenrecht, Urheberrecht: Anmeldung und Verteidigung von Marken und gesitigen Werken, nationale und internationale Lizenzverträge.

(10) Unternehmenskauf: Gesellschaftsrechtliche Fragen, aber auch Steuerrecht, Arbeitsrecht, Handelsrecht.

(11) Versicherungswirtschaft: Gründung, Kauf oder Lizensierung, Zusammenschluß von Versicherungsunternehmen, Entwicklung von Modellen für Lebensversicherungen, Sachversicherungen, Rückversicherungen, Pensionsfonds.

(12) Verwaltungs- und Umweltrecht: Bau- und Investitionsplanung, Genehmigungsverfahren, Versorgung, Entsorgung, Immissionsschutzrecht, Abfallrecht, Fachplanungsrecht.

(13) Vertragsrecht wie z.B. Vertragsgestaltung, AGB oder die Betreuung von Joint Ventures.

(14) Wertpapierrecht, Kapitalmarktrecht: Zulassung und Unterbringung von Aktien und Obligationen, Ausgabe von Euromarktpapieren, Beaufsichtigung von Wertpapierhändlern, Kapitalmarktzugang für mittlere Unternehmen. Termin- und Optionsgeschäfte.

bb) Steuerrechtlich qualifizierte Juristen

In vielen Fällen werden Juristen in der Unternehmensberatung nicht nur juristisch, sondern interdisziplinär tätig, da gerade die wirtschaftsrechtliche Beratung ohne fundierte steuerrechtliche und oft auch bilanzrechtliche Kenntnisse gar nicht möglich ist. Sollten Sie über die erforderlichen steuerrechtlichen Kenntnisse verfügen, käme auch ein Einsatz auf folgenden Gebieten in Betracht:

(1) Steuerberatung und –gestaltung
(2) Unternehmensumstrukturierung
(3) Unternehmensbewertung
(4) Unternehmenstransaktionen
(5) Entwicklung von Mitarbeiterbeteiligungsmodellen

cc) Betriebswirtschaftlich qualifizierte Juristen

Bei entsprechender betriebswirtschaftlicher Qualifikation werden Juristen u.a. auch in den folgenden Aufgabenbereichen tätig:

(1) Optimierung von Betriebsabläufen
(2) Beurteilung von Marktentwicklungen und Unternehmenspotentialen (= business due diligence)
(3) Entwicklung von Strategie- und Marketingkonzeptionen.


dd) Das Anforderungsprofil eines Bewerbers

Das Anforderungsprofil der Unternehmensberatungen entspricht im wesentlichen dem von Großkanzleien:

(1) Bei den Examensnoten sind Prädikatsexamina in der Regel unerläßlich.

(2) Geschätzt werden aber auch Zusatzqualifikationen, mit denen der Bewerber ggf. auch ein fehlendes Prädikat ausgleichen kann, wie z.B: ein längerer Auslandsaufenthalt, möglichst mit abgeschlossener Qualifikation (LLM, MBA), verhandlungssichere Englischkenntnisse sowie ggf. Kenntnisse in anderen Sprachen, abgeschlossene berufsbezogene Promotion oder praxistaugliche EDV- Kenntnisse.

(3) Unternehmerisches Denken, Belastbarkeit, Mobilität und Teamfähigkeit sind unerläßlich.

ee) Die wichtigsten Adressen für Bewerber:

Bundesverband Deutscher Unternehmensberater, Friedrich- Wilhelm Str. 2, 53313 Bonn

Arthur Andersen Consulting, Mergenthalerallee 10 – 12, 67560 Eschborn

Roland Berger & Partner GmbH, Arabellastr. 33, 81925 München

Boston Consulting Group, Stadttor 1, 40219 Düsseldorf

Bain & Co. Karlsplatz 1, 80335 München

CSC Poenzke AG, Am Hahnwald 1, 65399 Kiedrich

Daimler Chrysler Debis AG, Potsdamer platz, 10875 Berlin

Dyckerhoff & Partner, Am Oberen Luisenpark 13, 68165 Mannheim

Ernst & Young, Mittlerer Pfad 15, 70499 Stuttgart

Gemini Consulting, Ottostr. 4, 80333 München

Haarmann, Hemmelrath & Partner, Neue Mainzer Str. 75, 60311 Frankfurt

A.T. Kearney GmbH, Charlottenstr. 57, 10117 Berlin

Kienbaum & Partner GmbH, Ahlefelder Str. 47, 51645 Gummersbach

Mc Kinsey & Comp. Recruiting, Königsallee 60 c, 40027 Düsseldorf

KPMG National Office, Taubenstr. 44 – 45, 10117 Berlin

Arthur D. Little Int. Inc., Gustav Stresemann- Ring 1, 65189 Wiesbaden

Pricewaterhouse Coopers GmbH, Olof Palme- Str. 35, 60439 Frankfurt

Wedit Deloitte & Touche, Isartorplatz 1, 80331 München

Egon Zehnder International GmbH, Königsallee 30, 40212 Düsseldorf


b) Verbände

aa) Die Ausgangslage

Es gibt in Deutschland über 5.000 Verbände, doch arbeiten Verbände oftmals mit einem sehr geringen Personalaufwand. Im Jahr 1999 wurden nur ca. 250 Juristen über entsprechende Stellenausschreibungen gesucht. Verbände vertreten die Interessen ihrer Mitglieder vor Ort, werden aber für ihre Mitglieder auch beratend tätig. Sie arbeiten im Bereich der Wirtschaftsförderung und versuchen, im Zuge der Gesetzesberatung die Interessen ihrer Mitglieder gegenüber dem Staat und der Gesellschaft durchzusetzen, wirken also nicht zuletzt auch auf die politische Willensbildung und auf die öffentliche Meinung ein.

bb) Das Anforderungsprofil eines Bewerbers

Das Anforderungsprofil trägt dem Rechnung: Bewerber sollten über besondere Kommunikationsfähigkeit und rhetorische Begabung sowie Verhandlungsgeschick verfügen.

cc) Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) bietet eine Traineeausbildung für Juristen mit 2. Staatsexamen an, um den Geschäftsführernachwuchs in den deutschen Arbeitgeberverbänden heranzuzüchten. Dabei durchlaufen die Trainees mehrere Ausbildungsstationen bei regionalen Arbeitgeberverbänden und Betrieben.

dd) Der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) bietet ein vergleichbares Trainingsprogramm an, das 18 Monate dauert. Die Bezahlung entspricht dem Anfangsgehalt eines Volljuristen im öffentlichen Dienst.


c) Banken

aa) Die Ausgangslage

Der Arbeitsmarkt für Führungskräfte im Bankgewerbe wird derzeit von 4 zentralen Punkten bestimmt:

(1) Die fortschreitende Internationalisierung: Die vollzogene europäische Währungsunion, die nahezu unbegrenzte Mobilität des Kapitals und die damit verbundene Abhängigkeit der internationalen Finanzmärkte haben zu einem verschärften internationalen Wettbewerb geführt. Große amerikanische Investmankbanken gründen Niederlassungen in Deutschland; im Gegenzug kauft die Deutsche Bank die amerikanische Bankers Trust oder die englische Morgan Greenfell.

(2) Konzentrations- und Fusionsprozesse: Als Folge eines harten internationalen Wettbewerbs schrumpfen die Margen und Gewinne bei einer Reihe von Finanzdienstleistungen. Daher versuchen die Banken, durch Zukäufe, Kooperationen und Fusionen ihre Kompetenz und Produktpalette so auszuweiten, daß sinkende Gewinne bei den herkömmlichen Finanzdienstleistungen durch die Erweiterung ihres sonstigen Angebots aufgefangen werden. Dies führt einerseits dazu, daß im Zuge von Fusionen Abteilungen zusammengelegt werden, um Kosten zu sparen; andererseits werden hohe Summen in Technik und hochqualifizierte Mitarbeiter gesteckt, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können.

(3) Einsatz neuer Technologien: Durch den zunehmenden Einsatz von Telefonbanking, EDV- Netzwerken und Automaten (Geldautomaten, Kontoauszugsdrucker etc.) lassen sich zahlreiche Dienstleistungen im Kunden- Massengeschäft rationalisieren. Homebanking macht Bankgeschäfte nicht nur bequem, sondern baut auch massenhaft Arbeitsplätze ab. Dennoch bewerten 2/3 aller befragten Bankkunden den Einsatz dieser neuen Technologien als gut.

(4) Neuer Ablauf und Organisationsstrukturen: Die Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit des europäischen Binnenmarktes hat für zusätzlichen Wettbewerbsdruck gesorgt. Dies hat ein verschärftes controlling von Kosten, Serviceleistungen und Qualität zur Folge. Gleichzeitig werden neue Vertriebswege (Telefonbanking, Online- Aktienhandel, etc.) sowie neue Formen der Kundensegmentierung (Privatkunden, Geschäftskunden, Massengeschäft – vermögende Privatkunden) erarbeitet. Gerade im Wettbewerb um vermögende Privatkunden konkurrieren Banken in zunehmendem Maße mit Versicherungsunternehmen mit ihrem ausgedehnten Vertriebsnetz und Strukturvertrieben. Dieser Wettbewerb zwingt Banken, ihre Angebotspalette auszuweiten: von der reinen Finanzierung oder Geldanlage hin zu einer umfassenden finanziellen Vorsorge in Form eines Allfinanzanbieters.

Durch diese 4 Punkte wird sich die Beschäftigungssituation im Bankgewerbe dramatisch verändern. Durch Standardisierungsmöglichkeiten im Massengeschäft, fusionsbedingte Zusammenlegung von Abteilungen und durch den Einsatz neuer Technologien werden zahlreiche Stellen entfallen. Andererseits werden gerade durch die Implementierung neuer Technologien und durch die persönliche kundenorientierte Betreuung gerade vermögender Kunden neue hochqualifizierte Berater gesucht werden. Entsprechend interessierte und qualifizierte Juristen werden also auch in Zukunft ihren Weg im Bankgewerbe gehen.

b) Das Tätigkeitsprofil

Banken beschäftigen Juristen vor allem in 2 Abteilungen:

aa) Die klassische juristische Tätigkeit mit Schwerpunkt auf der Rechtsberatung und Prozeßführung liegt in der Tätigkeit innerhalb der Rechtsabteilung. Hier ist der Bankjurist für sämtliche Rechtsfragen rund um das Bank- und Kundengeschäft sowie um den eigenen Betrieb zuständig:
(1) Kapitalmarktrecht
(2) M & A
(3) Kreditsicherung
(4) Finanzierung
(5) Gesellschaftsrecht
(6) Insolvenzrecht
(7) Erstellung von Sanierungskonzepten
(8) Personalwesen, Arbeitsrecht.

bb) Die 2. Sparte ist das reine Bankgeschäft, von dem der Jurist von Haus aus vermutlich wenig versteht, so daß hier der Weg über ein Traineeprogramm sowie interne und externe Fortbildungsveranstaltungen verläuft. Traineeprograme dauern in der Regel zwischen 12 und 18 Monaten. Schwerpunkte dieser Ausbildung sind:
(1) Investmentbanking
(2) Wertpapiergeschäft
(3) Firmenkundenbetreuung
(4) Zweigstellen-Privatkundengeschäft
(5) Vermögensanlage
(6) Immobilienfinanzierung
(7) Zahlungs- und Giroverkehr.

c) Das Anforderungsprofil der Banken

Neben den entsprechenden Examensergebnissen wird Wert auf entsprechende Studienschwerpunkte sowie gute Betriebswirtschafts- und Fremdsprachenkenntnisse sowie persönliche Mobilität gelegt. Weiterhin werden Team– und Kooperationsfähigkeit, Eigeninitiative, analytisches Denken, gutes Auftreten und Kommunikationskompetenz erwartet.

d) Was verdiene ich bei der Bank?

aa) Die Anfangsgehälter liegen zwischen 70. 000 DM und 80. 000 DM, wobei ca. ¾ der Beschäftigten um 75.000 DM p.a. verdienen.

bb) Die weitere Gehaltsentwicklung hängt nicht nur von der persönlichen Karriere ab, sondern auch davon, zu welcher Bank man geht:

(1) Private Geschäftsbanken zahlen ihren leitenden Angestellten in der 3. Führungsebene durchschnittlich 110. 000 DM, in der 2. Führungsebene durchschnittlich 165. 000 DM und in der 1. Führungsebene 235. 000 DM.

(2) Öffentlich-rechtliche Banken zahlen deutlich schlechter: in der 3. Führungsebene zwar mehr, nämlich 130. 000 DM, aber in der 2. Ebene 140. 000 DM und in der 1. Führungsebene 
177. 000 DM
.

(3) Genossenschaftsbanken zahlen in der 3. Führungsebene 98. 000 DM, in der 2. Ebene 
114. 000
und in der 1. Führungsebene 126. 000 DM.

Bewerbungsadressen ausgewählter Banken

ABN Amro Bank
Mainzer Landstraße 65
60329 Frankfurt a.M.
069 – 2690 – 2054

Baden – Württembergische Bank AG
Postfach 106014
70049 Stuttgart
0711 – 180 – 3153

Bayerische Landesbank
Brienner Straße 20
80333 München
Tel. 089 – 2171 – 1
Personalabteilung: 089 – 2171 – 1570
Traineeprogramme: 089 – 2171 – 1569

BfG Bank AG
Mainzer Landstraße 16
60325 Frankfurt a.M.
Tel. 069 – 258 – 0
Personalzentrale 069 – 258 - 6529
Telefax: 069 – 258 –6051

BHF Bank AG
Bockenheimer Landstraße 10
60323 Frankfurt
Tel.: 069 – 718 – 3497
Telefax: 069 – 718 - 3488

Commerzbank AG
Neue Mainzer Straße 32 – 36
60261 Frankfurt a.M.
Tel.: 069 – 1362 – 0
Telefax: 069 – 1362 - 6899
Personalabteilung: 069 – 1362 - 4596

Deutsche Bank AG
Taunusanlage 12
60325 Frankfurt a.M.
069 – 910 – 34080
Telefax: 069 – 910 - 38790
Personalabteilung: 069 – 910 – 34044

Deutsche Pfandbrief AG
Paulinenstraße 15
65189 Wiesbaden
Tel.: 0611 – 348 2334
Telefax: 0611 – 348 – 2570

Deutsche Postbank AG
Postfach 4000
52105 Bonn
Tel.: 0228 – 920 – 3182
Telefax: 0228 – 920 - 3888

Deutsche Kreditbank AG
Kronenstraße 8 – 10
10117 Berlin
Tel.: 030 – 20155 – 319
Telefax: 030 – 20155 - 968

DG Bank
Am Platz der Republik
60225 Frankfurt
Tel.: 069 – 7447 – 6130
Telefax: 069 – 069 – 7447 – 7371

Dresdner Bank AG
Jürgen Ponto – Platz 1
60301 Frankfurt a.M.
Tel.: 069 – 263 – 574 24
Telefax: 069 – 263 - 52290

HypoVereinsbank AG
Tucherplatz 12
80311 München
Tel.: 089 – 378 – 0
Telefax: 089 – 378 – 27786
Personalabteilung: 089 – 378 – 26742

Landesbank Berlin
Abt. Personalbetreuung
Badensche Straße 24
10715 Berlin

Landesbank Hamburg
Gerhard Hauptmann – Platz 50
20095 Hamburg
Tel.: 040 – 3333 – 3216
Telefax: 040 – 3333 - 3039

Landesbank Baden – Württemberg
Schloßplatz 10 – 12
76113 Karlsruhe
Tel. 0721 – 1501- 273
Personalabteilung: 0721 – 1501 – 668

Landesbank Hessen Thüringen
Neue Mainzer Str. 52 – 58
60297 Frankfurt
Tel. 069 – 9132 – 2649
Telefax: 069 – 9132 – 82649

Landesbank Kiel Schleswig Holstein

Martensdamm 6
24103 Kiel
Tel.: o431 – 900 – 1261
Telefax: 0431 – 900 – 1284

Norddeutsche Landesbank
Georgsplatz 1
30159 Hannover
Tel.: 0511 – 361 – 4555
Telefax: 361 - 4161

Südwestdeutsche Landesbank Girozentrale
Am Hauptbahnhof 2
70173 Stuttgart
0711 – 127 – 0
Personalabteilung: 0711 – 129 - 3374

Sal. Oppenheim JR. & Cie. KG aA
Unter Sachsenhausen 4
50667 Köln
Tel.: 0221 – 145 – 1307
Telefax: 0221 – 145 – 1937

Volksbanken und Raiffeisenbanken
Akademie Deutscher Genossenschaften e.V.

Schloß Montabaur
56410 Montabaur
Tel.: 02602 – 14 260
Telefax: 02602 – 14 159

WestLB Westdeutsche Landesbank
Herzogstraße 15
40217 Düsseldorf
Tel.: 0211 – 826 – 2449
Telefax: 0211 – 826 - 9683


d) Versicherungen

aa) Die Art der Tätigkeit

Versicherungen beschäftigen Juristen in vielfältigen Bereichen: im Innendienst z.B. bei der Schadenssachbearbeitung, der Vertragsgestaltung, der Vermögensverwaltung, der Bearbeitung vertriebs- oder arbeitsrechtlicher Fragen und der Personalverwaltung oder im Außendienst gegenüber den Kunden im Zuge der Kundenaquisition und Kundenbetreuung, dabei überwiegend im Großkundengeschäft.
Hinzu kommt natürlich die klassische juristische Tätigkeit der Prozeßführung und der Rechtsberatung, z.B. in Fragen des Handels- und Gesellschaftsrechts, des Kreditsicherungsrechts, des Grundstücksrechts sowie des allgemeinen Vertragsrechts.

bb) Das Anforderungsprofil der Versicherungen

Auch hier wird wegen der erheblich gestiegenen Anzahl der Bewerber insbesondere auf die Examensnoten sowie auf Grundkenntnisse der betriebs- oder auch der Versicherungswirtschaft Wert gelegt. Auch Teamfähigkeit und Verhandlungsgeschick, praxistaugliche EDV- Kenntnisse, Mobilität sowie verhandlungssichere Sprachkenntnisse gehören je nach Art der ausgeschriebenen Position dazu.

cc) Bewerbungsadressen ausgewählter Versicherungen

Allgemeine Kreditversicherung AG

Postfach 1209
55002 Mainz
Tel.: 06131 – 323 – 524
Telefax: 06131 – 323 – 442

Allianz AG
Königinsraße 28
80802 München
Tel.: 089 – 3800 – 7700
Telefax: 089 – 3800 – 6803

Gerling AG
Gereonshof 14 – 16
50597 Köln
Tel.: 0221 – 144 – 4496
Telefax: 0221 – 144 - 4198

Hannover Rückversicherungs AG
Karl Wiechert – Allee 50
30625 Hannover
Tel.: 0511 – 5604 – 1161
Telefax: 0511 – 5604 – 1618

Münchener Rückversicherungsgesellschaft AG
Königinstraße 107
80791 München
Tel. 089 – 3891 – 5974
Telefax: 089 – 3891 - 9425

V. Weiterbildungsmöglichkeiten für Juristen

Deutsche AnwaltAkademie
Ellerstraße 48
53119 Bonn
Telefon: 0228 – 983 66 77
Telefax: 0228 – 983 66 66
www.anwaltakademie.de

Institut für Anwaltsrecht an der Universität Köln
C/o Prof. Dr. Martin Henssler
Am Justizzentrum 7
50939 Köln
Tel. 0221 – 445002 oder 421522
Telefax: 0221- 4200645

Institut für Anwaltsrecht der Universität Hannover
Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Internationales Privatrecht, Rechtsvergleichung und Anwaltliche Berufspraxis
C/ o Prof. Dr. Thomas Abeltshauser LL.M.
Königsworther Platz 1
30167 Hannover
Tel. 0511 – 762 8155

Institut für Anwaltsrecht an der Universität Leipzig
Juristische Fakultät
Lehrstuhl für Bürgerliches Recht und Zivilprozeßrecht
C/o Prof. Dr. Becker- Eberhard
Otto- Schill- Str. 2
04109 Leipzig
Tel. 0341 – 9735160

Institut für Anwaltsrecht an der Universität München
Prof. Dr. Peter Schlosser
Ainmillerstraße 11
Tel. 089 – 340294 – 76
Telefax: 089 – 340294 - 78

Bielefelder Kompaktkurs
Anwalts- und Notartätigkeit – Prozeßführung – Rechtsberatung - Rechtsgestaltung
Institut für Anwalts- und Notarrecht an der Universität Bielefeld
Prof. Dr. Harald Weber
Postfach 100131
33501 Bielefeld
Tel. 0521 – 1063178 /- 3173
Telefax: 0521 – 1063175

Central
Center for transnational Law an der Westfälischen Wilhelms- Universität Münster
C/ o Prof. Dr. Klaus Peter Berger
Universitätsstraße 14 – 16
Tel. 0251 – 8322781
Telefax: 0251 - 8323558